Verbesserte Energieeffizienz-niedrige Kosten

rathausconsult Ausgabe 04|18

Der Stromverbrauch für die Abwasserreinigung ist in vielen Kommunen der größte Ausgabenposten. rathausconsult sprach mit Professor Dr. Martin Stachowske, Geschäftsführer der Berliner IWWT Innovationen in WasserWirtschaftsTechnologien UG, unter anderem darüber, wie es gelingen kann, durch höhere Energieeffizienz die Kosten zu senken.

rathausconsult: Herr Professor Stachowske, wie sieht heute die Situation bei den meisten Kläranlagen in Sachen Energieeffizienz aus?

Stachowske: Man beklagt die hohen Energiekosten oder verweist auf den Anteil an eigenerzeugtem Strom. Dabei wissen sehr viele Abwasserbetriebe nicht, wie viel Strom wo und wann auf der Kläranlage verbraucht und teuer aus dem Netz bezogen wird – oder sie fragen auch mal, warum auf innovative Belüftung umstellen, wenn der Strom sowieso vom Gebührenzahler bezahlt wird.

rathausconsult: Wie kann die Energieeffizienz erhöht werden? Sie haben einen neuartigen Begaser entwickelt, der erhebliche Einsparungen verspricht. Wie funktioniert das?

Stachowske: Wir haben sehr sorgfältig den Vorgang beim Eintrag von Blasen in das Abwasser untersucht und den Blasendurchmesser drastisch reduziert und dann festgestellt; entscheidend für die Energieeffizienz ist die Kombination von kleinsten Blasen mit dem linearen Eintrag der einzelnen Blasen in das Abwasser. Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf HZDR hat ermittelt, dass mit diesem Prinzip der Strombedarf um 25 Prozent gesenkt werden kann.

rathausconsult: Was ist mit der vierten Reinigungsstufe? Die Ozonierung zählt ja bereits zu den effektivsten und ökonomischsten Prozessen?

Stachowske: Statt mit energieintensiven Injektoren das Wasser umzuwälzen wird Ozon mit den IWWT®-Linearbegasern in kleinsten Blasen flächig eingetragen. Die Bauweise der Begaser erleichtert die bedarfsgerechte Dosierung im Intervallbetrieb. So entstehen keine Kosten mehr für die Erzeugung und nachfolgende Zerstörung von nicht verbrauchtem Ozon.

rathausconsult: Wie gestaltet sich der Einbau und später die Wartung?

Stachowske: Wir haben bei der Entwicklung die Anforderungen von Klärwärtern erfasst und die Begaser nach dem Prinzip plug & work konstruiert. Einbau und Ausbau sind ebenso wie die Wartung einfach, ein Umbau beim Austausch ineffizienter Belüfter ist nicht nötig.

rathausconsult: Nicht zu vergessen: die Kosten. Wann rechnet sich der Einbau des neuen Begasers?

Stachowske: Er rechnet sich sofort. Die Kostensenkung ergibt sich aus um bis zu 25 Prozent niedrigeren Stromkosten und den zusätzlichen Einsparungen aus kleineren Kompressoren und Leitungen. Mit der Einspeisung eines Überschusses aus der Eigenstromerzeugung ins städtische
Netz, beispielsweise nachts als Ladestrom für Elektrofahrzeuge, wird die Rechnung für die  Kommune als Eigentümerin der Kläranlage noch günstiger.

rathausconsult: Kann der IWWT-Begaser auch in anderen Bereichen als der Abwasserwirtschaft eingesetzt werden?

Stachowske: Wir haben ein System mit Sauerstoffflaschen und der Stromversorgung auf 12-Volt- Basis zum Beispiel mit bleifreien Autobatterien entwickelt. Damit können in Hitzeperioden die für das innerstädtische Klima und die Erholung so wichtigen Teiche und Seen jederzeit mit Sauerstoff versorgt werden. In der Fischwirtschaft wurden die Stromkosten in Einzelfällen auf 20 Prozent gesenkt. Wir haben endlich eine Technologie, um den Stickstoffanteil in der Gülle preiswert zu reduzieren und dadurch die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung zu stabilisieren.